
Infanterieeinschüsse Gieseler Straße 4, Sporthalle/Aula
Eine Vielzahl von unregelmäßigen Löchern in der Hauswand – Spuren des heftigen Häuserkampfs zum Ende des Zweiten Weltkriegs zwischen 27. und 30. April 1945* in Wilmersdorf. In diesen Tagen waren Soldaten der 1. Ukrainischen Front unter General Konew, über Spandau und Grunewald aus Westen kommend, und der 1. Weißrussischen Front unter General Schukow, über Steglitz und Schmargendorf vom Süden her, gegen den Widerstand von SS-Einheiten, versprengten Resten der Reichswehr und Volkssturm zum Fehrbelliner Platz vorgestoßen. Spätestens am 30. April war diese Gegend vollständig in Händen der Roten Armee. Bereits im Juli rückte sie wieder aus Wilmersdorf ab und überließ es den Briten als Besatzungssektor; nur die Einschußlöcher blieben.

Sie gehören zu den wenigen** noch sichtbaren mahnenden Erinnerungen an (den) Krieg. Ansonsten sind die Kriegsspuren weitestgehend getilgt, abgesehen von einigen Ruinen, die ausdrücklich als Mahnmale dienen, darunter die Turmruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Könnte man sich ihre Beseitigung vorstellen? Eine andere Kriegsruine, 1966 sogar offiziell als „Mahnmal für die Opfer des Bombenkrieges“ mit seinen zigtausend toten Zivilisten deklariert – die Frauenkirche in Dresden –, verschwand jedoch und wurde durch einen Kirchenneubau unter Einbeziehung von noch vorhandenen Steinen ersetzt (1994-2005). Damit ging eines der stärksten authentischen Mahnmale des Zweiten Weltkriegs verloren, und das städtische Erscheinungsbild rund um den Neumarkt war optisch auf Barock zurückgestellt. Den einen war dieser Umgang mit dem nationalen Kriegsmahnmal ein „Zeichen der Heilung und internationalen Versöhnung‟ und ein „Triumph des Lebens über die Vernichtung“, den anderen schlicht eine „Geschichtsbereinigung‟.
Die Einschußlöcher hier existieren jedoch noch und lassen sich doppelt deuten: als eine Mahnung gegen Krieg allgemein – und speziell, daß der nächste Krieg wohl kaum solche „Kleinigkeiten‟ hinterlassen wird.
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* Siehe auch den Abschnitt „26.-30.April 1945‟ im Bericht aus der naheliegenden Berliner Straße.
** Ein anderes Überbleibsel aus den Krieg: ein Luftschutzkellernotausstiegsgitter.
*** Bundesarchiv Bild 183-F1018-0033-002