40 Tage durch die Wüste der Unzuständigkeiten
Als besorgter Bürger meldete ich am 30.7. der Berliner S-Bahn einen Drahtzaun-Durchbruch am S-Bf. Innsbrucker Platz zum Bahndamm und den Gleisen mit Foto, einschließlich wilder Müllkippe.
Am 31.7.teilte mir die S-Bahn mit, dass sie NICHT ZUSTÄNDIG sei, aber (wenigstens!) die Meldung an die zuständige DB InfraGO weitergeleitet habe.
Am 3.8. stand eine Polizeistreife vor dem Parkplatz am S-Bahnhof. Ich machte sie auf das Loch aufmerksam. Wir sind NICHT ZUSTÄNDIG, wir sind von der Bundespolizei und haben andere Aufgaben. Wenn wir Zeit haben, können wir ja nachher mal nachschauen …
Um den Bahnleuten etwas Zeit zu geben, habe ich erst am 6.8 nachgeschaut, ob alles wieder schön ist. Wunderschön! Ein zweites Loch war nun im Zaun gleich daneben, von Reparatur keine Spur. Ich meldete das ganze erneut der Bahn, die wieder mit „Wir können Ihnen nicht behilflich sein. NICHT ZUSTÄNDIG – und … weitergegeben‟ antwortete.
Nun schickte ich der InfraGO eine Mail mit Bildern und stellte das Ganze also, wie der Firmenname schon sagt, infrago, ich meine in Frage. Es sei ja Monatsende gewesen und damit Gehaltszahlung. Da könnte man ja wieder 4-6 Stunden arbeiten für sein Geld. Keine Antwort. (anscheinend sind die doch zuständig?).
Am 8.8. schickte ich der S-Bahn das nächste Foto vom dritten Durchbruch.
Am 10.08. bat ich die S-Bahn um die Namen der Verantwortlichen, um Anzeige wegen grober Fahrlässigkeit und Verkehrsgefährdung zu erstatten. Keine Antwort.
Im Schöneberger Polizeirevier sagte man mir, dass das Gelände mit dem Zaun zum Aufgabenbereich der Bundespolizei gehöre, also NICHT ZUSTÄNDIG; aus der Anzeige wurde nichts.
Wegen des Mülls teilte mir die BSR mit, dass das Gebiet vor dem Zaun der Stadt gehöre und das Gebiet der BSR nur bis zum Parkplatzende reichte, also NICHT ZUSTÄNDIG. Meine nochmalige Mail vom 24.08. blieb unbeantwortet.
Am 4.9. teilte ich der S-Bahn erneut mit, dass es jetzt fünf Löcher im Zaun gebe, zwei sogar direkt am Parkplatz neben einem verschlossenen Tor mit einer Treppe direkt den Hang hoch bis an die Stromschiene. Keine Antwort.
Am 5.9. habe ich den kompletten Ablauf der DB Sicherheit als Mail geschickt – keine Antwort.
In der Nacht darauf hatte ich dann einen Albtraum: dass die Kinder aus der Obdachlosenunterkunft Erfurter Straße oben auf dem Bahndamm Verstecken spielten im dichten Grün. Ein kleines Mädchen im weißen Kleid war an der Stromschiene. Ein kurzer Schrei. Da lag sie. Ich bin vor Schreck aufgewacht und konnte die ganze Nacht nicht wieder einschlafen.
Am 7.9. war ich bei der Berliner Staatsanwaltschaft in Moabit, um eine Mitteilung wegen akuter Gefahr abzugeben. Die Antwort am Einlass: „Wir sind NICHT ZUSTÄNDIG. Gehen Sie zur Polizei!‟ Als ich noch nicht gehen wollte, weil ich ja den Polizeikontakt inzwischen dreimal probiert hatte, wurde das Mikro laut gestellt und die Dame sagte nachdrücklich: „Wir sind NICHT ZUSTÄNDIG! Das sagte ich Ihnen! Gehen Sie mit Ihrem Problem zur Polizei! Auf Wiedersehen.‟
Mir gehört keine S-Bahn, und ich bin auch kein Sicherheitspersonal! Ich bin wirklich NICHT ZUSTÄNDIG! Ich habe also auch kein Problem, solange mich nicht der nächste Anschlag selbst betrifft. Nun hab ich das Ganze an „Mein Thema“ des rbb geschickt. Ob da jemand ZUSTÄNDIG ist?
P.S. Jetzt sind es acht Durchbrüche im Zaun. Und vom rbb kam keine Antwort.
Super Bericht aus der Lebenswiklickeit
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Die sind garantiert „ NICHT ZUSTÄNDIG“
Es gibt ein Buch, in dem es ausführlich um nicht-zuständigkeit geht;
Der Gasmann, von Spoerl. Ein Bestseller aus den 30er jahren.
Im übrigen habe ich das Rathaus Wilmersdorf über Jahrzehnte als Hochburg der nicht-zuständigkeit kennengelernt. Als jungem Mitarbeiter wurde mir die Ausrede „nicht zuständig“ ausgiebig beigebracht – von einem auschwitz-uberlebenden Sozialarbeiter.
Das erinnert mich an eine ähnliche Geschichte um einen Kothaufen in einem Aufzug im Bahnhof Lichtenberg, der das Unzuständigkeitsgerangel mehrere Wochen überdauerte.